Satire

Dropshipper aus 2017 meldet sich zurück: Erste Lieferung sei „quasi schon unterwegs“

8. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit · Redaktion Reich-Rechner

GELSENKIRCHEN (rk) – Neun Jahre nach dem Start seines Online-Shops hat sich der Gelsenkirchener Dropshipping-Unternehmer Kevin S. (31) erstmals öffentlich zum Stand seiner ersten Lieferung geäußert. „Die Ware ist quasi schon unterwegs“, erklärte S. am Montag. Die Bestellung war im August 2017 eingegangen.

S. hatte seinen Shop „SpinLuxx24“ nach einem YouTube-Video mit dem Titel „Passives Einkommen in 48 Stunden (KEIN CLICKBAIT)“ gegründet. Im Sortiment: leuchtende Fidget-Spinner in sieben Farben, darunter „Galaxy Gold“ und „Mitternachtsrendite“. Das Video dauerte 14 Minuten, die Gründung nach eigenen Angaben 11.

Paket hat das Ursprungsland verlassen, Gefühl gilt seit 2018

Bestellt hat Gudrun P. (63) aus Castrop-Rauxel, damals für ihren Enkel. Laut Sendungsverfolgung „hat das Paket das Ursprungsland verlassen“. Diese Information ist seit März 2018 unverändert. „Ich prüfe das jeden Sonntag nach dem Kaffee“, sagt P. „Es ist wie ein Adventskalender, nur ohne Türchen.“

Der Enkel, inzwischen 19 und Maschinenbaustudent, hat nach Angaben der Familie mittlerweile selbst einen Fidget-Spinner konstruiert, im CAD-Programm, als Abschlussprojekt. „Er wollte nicht mehr warten“, so P. „Ich schon.“

Auf der Startseite wirbt der Shop weiterhin mit „Lieferzeit 7–14 Werktage“. S. sieht darin keinen Widerspruch. „Da steht nicht, welche Werktage“, erklärt er. „Das ist ein rollierendes Lieferversprechen.“

„Langfristige Kundenbindung“ statt Retoure

Zwischen Händler und Kundin hat sich über die Jahre eine stabile Geschäftsbeziehung entwickelt. Seit 2019 schreiben sich beide Weihnachtskarten. P. legt jedes Jahr einen Zettel mit „Noch da?“ bei, S. antwortet zuverlässig mit „Fast!“ und einem Rabattcode über 10 Prozent für die nächste Bestellung.

„Andere Shops verlieren ihre Kunden nach dem ersten Kauf“, sagt S. „Meine ist seit neun Jahren emotional investiert. Das nennt man langfristige Kundenbindung.“ Sein Customer Lifetime Value liege bei 7,99 Euro, die Customer Lifetime allerdings „im oberen Bereich der Branche“.

„Ich habe keinen Kunden verloren. Ich habe einen Kunden, der nie wieder gehen kann, weil er noch auf was wartet.“

Seinen Gesamtumsatz beziffert S. auf 7,99 Euro, seine Ausgaben für Werbeanzeigen auf „sagen wir mal, einen gebrauchten Golf“. Unterm Strich spricht er von „einer Investitionsphase, die einfach etwas länger dauert“.

Fidget-Spinner jetzt offiziell Antiquität

Inzwischen sieht S. die Verzögerung als strategischen Vorteil. Leuchtende Fidget-Spinner seien seit dem Ende des Hypes „praktisch Vintage“, in ein paar Jahren gar Antiquitäten. „Wenn das Paket 2031 ankommt, hält Frau P. ein Sammlerstück in der Hand. Das ist kein Lieferverzug, das ist Wertsteigerung im Transit.“

Auf einem Whiteboard in seinem Kinderzimmer, das er offiziell als „Headquarter“ führt, hat S. bereits eine Renditekurve skizziert. Sie zeigt steil nach oben und endet in einem gezeichneten Lamborghini. Die y-Achse ist nicht beschriftet. „Das schränkt nur ein“, sagt S.

Die Gelsenkirchener Steuerberaterin Marion D. (52), die S. einmal kostenlos beraten hat, bestätigt die Zahlen nur teilweise. „Er hat mir als Bilanz einen Screenshot vom Shop-Dashboard geschickt. Mit Konfetti-Animation.“

Neues Geschäftsmodell: Coaching für 2017

Für die Zukunft plant S. den nächsten Schritt. Ab Januar will er als Coach anderen beibringen, „wie man 2017 reich wird“. Der Onlinekurs soll 1.997 Euro kosten und ausschließlich Strategien enthalten, die „damals nachweislich funktioniert hätten“. Teilnehmende erhalten ein Zertifikat, das, so S., „voraussichtlich in 7–14 Werktagen“ verschickt wird.

Kritik, sein Wissen sei veraltet, weist er zurück. „Alle verkaufen dir die Zukunft. Ich bin der Einzige, der dir ehrlich die Vergangenheit verkauft.“ Inspiration holt er sich nach eigenen Angaben bei einem Finfluencer mit sehr ähnlichem Geschäftsmodell.

Wer seine eigenen Chancen nüchterner einschätzen will, kann im Reich-Rechner den Business-Typ „Dropshipping (2017)“ auswählen. Der Rechner verspricht nichts, was er nicht liefern kann. Damit ist er der Konkurrenz um mindestens neun Jahre voraus.

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Gudrun P. hat ihre Bestellung derweil nicht storniert. „Kevin hat geschrieben, es kommt an, sobald er reich ist“, sagt sie. „Ich habe also beschlossen, sehr alt zu werden.“

🎭 Dieser Text ist Satire. Personen, Zitate und Zahlen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit echten Menschen wären Zufall, Ähnlichkeiten mit deinem Kontostand nicht.

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