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Finanzielle Freiheit berechnen: die 4-Prozent-Regel einfach erklärt

9. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit · Redaktion Reich-Rechner

Finanzielle Freiheit berechnen geht mit einer einzigen Multiplikation: Nimm deine jährlichen Ausgaben mal 25. Das ist die 4-Prozent-Regel. Wer im Monat 2.500 € ausgibt, braucht danach rund 750.000 €. Die Regel stammt aus US-Studien, gilt vor Steuern und ist ein Startpunkt, kein Versprechen. Wie wackelig sie sein kann, zeigen wir unten.

Finanzielle Freiheit heißt hier: Dein Vermögen trägt deine Ausgaben, ohne dass du dafür arbeiten musst. Du darfst natürlich trotzdem arbeiten. Du musst nur nicht mehr. Das ist der Teil, den die meisten an der Idee mögen, noch bevor sie die Zahl sehen.

Finanzielle Freiheit berechnen: die Formel

Die Rechnung hat zwei Schritte. Erst ermittelst du, wie viel du pro Jahr wirklich ausgibst, nicht wie viel du verdienst. Dann teilst du diese Summe durch die Entnahmerate. Bei 4 % ist das dasselbe wie mal 25, bei 3,5 % rund mal 28,6 und bei 3 % rund mal 33,3.

  • Schritt 1: Monatliche Ausgaben × 12 = Jahresausgaben.
  • Schritt 2: Jahresausgaben ÷ Entnahmerate = benötigtes Vermögen, oft „FIRE-Zahl“ genannt.
  • Schritt 3: Ehrlich sein. Wer die Ausgaben schönrechnet, rechnet sich auch die Freiheit schön.

Wichtig: Es geht um Ausgaben im Ruhestand. Wenn dann die Miete wegfällt, weil die Wohnung abbezahlt ist, sinkt der Bedarf. Wenn private Krankenversicherung oder Reisen dazukommen, steigt er. Und Rente oder andere Einkünfte, die später sicher fließen, verringern den Betrag, den das Depot liefern muss.

Die 4-Prozent-Regel einfach erklärt

Die Regel geht auf den US-Finanzplaner William Bengen zurück. In seinem Artikel „Determining Withdrawal Rates Using Historical Data“ im Journal of Financial Planning vom Oktober 1994 testete er mit historischen US-Daten, wie viel man aus einem Depot aus Aktien und Anleihen entnehmen konnte. Ergebnis: Eine anfängliche Entnahme von 4 % des Startvermögens, danach jedes Jahr um die Inflation erhöht, hätte in den untersuchten Zeiträumen mindestens 30 Jahre gereicht.

Bekannt wurde die Zahl vor allem durch die sogenannte Trinity-Studie. Drei Professoren der Trinity University, Philip Cooley, Carl Hubbard und Daniel Walz, veröffentlichten sie im Februar 1998 im Journal der American Association of Individual Investors. Auch sie fanden, dass 4 % mit jährlichem Inflationsausgleich bei einem Depot mit 50 bis 100 % Aktien einen 30-jährigen Ruhestand mit hoher Wahrscheinlichkeit getragen hätten. Steuern und Gebühren waren dabei ausgeklammert.

So funktioniert die Regel im Alltag: Bei 750.000 € entnimmst du im ersten Jahr 30.000 €. Im zweiten Jahr nimmst du 30.000 € plus Inflation, egal ob die Börse gerade feiert oder weint. Den Prozentsatz rechnest du nur einmal am Anfang aus.

Wie viel Geld braucht man für finanzielle Freiheit?

Hier die Tabelle für typische monatliche Ausgaben. Die Beträge sind vor Steuern, in heutiger Kaufkraft und ohne Rente oder andere Einkünfte gerechnet.

Ausgaben pro Monatpro JahrVermögen bei 4 %bei 3,5 %bei 3 %
1.500 €18.000 €450.000 €514.286 €600.000 €
2.000 €24.000 €600.000 €685.714 €800.000 €
2.500 €30.000 €750.000 €857.143 €1.000.000 €
3.000 €36.000 €900.000 €1.028.571 €1.200.000 €
4.000 €48.000 €1.200.000 €1.371.429 €1.600.000 €

Wer vorsichtiger rechnen will, nimmt die Spalte mit 3 %. Dann wird aus 2.500 € Ausgaben genau die runde Million. Für Menschen, die lieber eine Million auf dem Konto haben als eine Statistik im Rücken, ist das psychologisch durchaus attraktiv. Wie die Million im Vergleich zur Bevölkerung dasteht, liest du übrigens unter Ab wann ist man reich?

Wie lange bis zur finanziellen Freiheit?

Das Ziel ist klar, jetzt der Weg. Wir haben mit Python gerechnet, wie lange es dauert, 750.000 € anzusparen, also das Ziel für 2.500 € Ausgaben bei 4 %. Annahmen: feste Sparrate am Monatsende, feste reale Jahresrendite (Rendite nach Inflation) von 3 % oder 5 %, keine Steuern und Kosten in der Sparphase. Weil wir real rechnen, sind die 750.000 € in heutiger Kaufkraft gemeint.

Sparrate pro MonatStartkapitalDauer bei 3 % realDauer bei 5 % real
1.000 €0 €35,5 Jahre28,8 Jahre
1.500 €0 €27,2 Jahre22,8 Jahre
2.000 €0 €22,2 Jahre19,1 Jahre
1.500 €50.000 €–20,2 Jahre
1.500 €100.000 €–17,9 Jahre

Die Tabelle erklärt, warum die FIRE-Szene so besessen von der Sparquote ist. Die zwei Hebel sind höhere Sparrate und niedrigere Ausgaben, und Ausgaben zählen doppelt: Wer weniger ausgibt, spart mehr und braucht am Ende weniger Vermögen. Ausführlichere Spar-Tabellen findest du im Artikel Wie lange sparen für eine Million?

Wann bist du frei? Gib im Reich-Rechner dein Startkapital, deine Sparrate und deine Rendite ein und sieh, wie lange es bis zu deiner Zahl dauert.

Jetzt nachrechnen

Wie lange reicht das Geld? Entnahmerate und Rendite

Die 4-Prozent-Regel ist keine Naturkonstante, sondern das Ergebnis einer bestimmten Vergangenheit. Wie stark die Rendite über die Laufzeit entscheidet, zeigt eine einfache Rechnung: 750.000 € Startvermögen, Entnahme von 30.000 € real zu Beginn jedes Jahres, danach wächst der Rest mit einer festen realen Rendite.

Reale Rendite pro JahrVolle Entnahmen, bis das Geld nicht mehr reicht
0 %25 Jahre
2 %34 Jahre
3 %44 Jahre
4 %83 Jahre

Bei 0 % Rendite ist die Rechnung trivial: 25 mal 30.000 € sind 750.000 €, dann ist Schluss. Schon 2 % reale Rendite verlängern das um neun Jahre. Für einen frühen Ruhestand mit 40, der leicht 40 Jahre oder länger dauern kann, ist der Unterschied zwischen 2 % und 4 % also der Unterschied zwischen „passt“ und „Rückkehr ins Büro mit 74“.

Die Reihenfolge der Renditen: das unterschätzte Risiko

Noch gemeiner als eine niedrige Rendite ist eine schlechte Reihenfolge. Zwei ausgedachte 30-Jahres-Verläufe mit exakt denselben Jahresrenditen, nur andersherum sortiert. Verlauf A startet mit −20 % und −10 %, dann 26 Jahre mit 5 % und zum Schluss zweimal 10 %. Verlauf B beginnt mit den zwei guten Jahren und endet mit den zwei schlechten. Die durchschnittliche Rendite ist identisch, rund 3,8 % pro Jahr.

  • Verlauf A (Crash am Anfang): Nach 10 Jahren sind noch 425.225 € übrig, nach 30 Jahren 96.692 €.
  • Verlauf B (Crash am Ende): Nach 10 Jahren stehen 937.606 € im Depot, nach 30 Jahren 938.010 €.

Gleiche Renditen, gleiche Entnahmen, ein Unterschied von über 840.000 €. Der Grund: Wer am Anfang im Minus entnimmt, verkauft Anteile billig, und die fehlen für immer beim Wiederaufschwung. Das nennt man Sequenzrisiko. Es ist der Hauptgrund, warum viele FIRE-Planer flexibel entnehmen: In schlechten Jahren etwas weniger, in guten etwas mehr.

Reality-Check: Die 4-Prozent-Regel ist eine Faustregel aus der Vergangenheit eines Landes, das im 20. Jahrhundert ziemlich viel Glück an der Börse hatte. Als Startpunkt für deine Rechnung ist sie großartig. Als Garantie ist sie ungefähr so belastbar wie der Satz „Diesmal halte ich den Crash aus“.

Gilt die 4-Prozent-Regel in Deutschland?

Direkt übertragen lässt sie sich nicht. Der Ökonom Wade Pfau hat in seiner Studie „An International Perspective on Safe Withdrawal Rates“ (Journal of Financial Planning, Dezember 2010) Daten aus 17 entwickelten Ländern über 109 Jahre ausgewertet. Sein Befund: Eine reale Entnahme von 4 % wäre selbst unter optimistischen Annahmen nur in 4 der 17 Länder „sicher“ gewesen. Die USA hatten schlicht besonders gute Jahrzehnte.

Auch das US-Analysehaus Morningstar sieht heute weniger Spielraum. In seiner Untersuchung für das Jahr 2025 nennt es 3,9 % als höchste sichere Startentnahme für feste, inflationsangepasste Ausgaben über 30 Jahre, bei 90 % Wahrscheinlichkeit, dass am Ende noch Geld übrig ist. Im Jahr davor waren es 3,7 %. Mit flexiblen Strategien hält es höhere Raten für möglich.

Dazu kommen in Deutschland Steuern. Beim Verkauf von Fondsanteilen wird nur der Gewinnanteil besteuert, mit 25 % Abgeltungsteuer (§ 32d EStG) plus Soli, abzüglich 1.000 € Sparer-Pauschbetrag (§ 20 Abs. 9 EStG) und bei Aktienfonds mit 30 % Teilfreistellung (§ 20 Abs. 1 InvStG). Wer 30.000 € netto ausgeben will, muss also etwas mehr entnehmen. Wie viel, hängt davon ab, wie hoch der Gewinnanteil im Depot ist. Wer lieber aus Ausschüttungen lebt, findet die passende Rechnung im Artikel Passives Einkommen aufbauen.

Häufige Fragen

Wie berechne ich, wie viel Geld ich für finanzielle Freiheit brauche?

Multipliziere deine jährlichen Ausgaben mit 25, das entspricht der 4-Prozent-Regel. Wer vorsichtiger planen will, nimmt das 28,6-Fache (3,5 %) oder das 33,3-Fache (3 %). Sichere Einkünfte wie eine spätere Rente kannst du vorher von den Ausgaben abziehen.

Was besagt die 4-Prozent-Regel?

Du entnimmst im ersten Jahr 4 % deines Vermögens und erhöhst den Betrag danach jedes Jahr um die Inflation. In historischen US-Daten hat das laut Bengen (1994) und der Trinity-Studie (1998) mindestens 30 Jahre gereicht. Steuern und Kosten waren dabei nicht berücksichtigt.

Ist die 4-Prozent-Regel noch aktuell?

Als Faustregel ja, als Garantie nein. Eine internationale Auswertung von Wade Pfau aus dem Jahr 2010 kam zu deutlich schlechteren Ergebnissen als die US-Studien, und Morningstar nannte für 2025 eine sichere Startentnahme von 3,9 %. Für einen Ruhestand, der länger als 30 Jahre dauert, ist eine vorsichtigere Rate naheliegend.

Wie viel Geld brauche ich, um mit 2.000 Euro im Monat finanziell frei zu sein?

Nach der 4-Prozent-Regel 600.000 €, bei 3,5 % rund 685.714 € und bei 3 % 800.000 €. Das sind Beträge vor Steuern und ohne Rente. Die Ausgaben sind dabei in heutiger Kaufkraft gemeint.

Was ist das Sequenzrisiko?

Das Risiko, dass schlechte Börsenjahre direkt zu Beginn der Entnahmephase kommen. Dann musst du Anteile zu niedrigen Kursen verkaufen, und das Vermögen erholt sich schwerer. In unserem Beispiel mit identischen Renditen lagen zwischen gutem und schlechtem Verlauf nach 30 Jahren über 840.000 €.

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