Nach Inflationszahlen: Mann erklärt Heizöltank zur Altersvorsorge und heizt nicht mehr
PADERBORN (rk) – Nach der jüngsten Inflationsmeldung hat Rüdiger H. (61) aus Paderborn seinen Heizöltank zur Altersvorsorge erklärt. Seit das Statistische Bundesamt mitteilte, dass leichtes Heizöl im September 74,9 Prozent mehr kostete als ein Jahr zuvor, heizt H. nicht mehr. „Man verbrennt doch auch keine Aktien“, sagt er, eingewickelt in drei Fleecedecken und eine Rettungsdecke aus dem Verbandskasten.
Die 5.000 Liter im Keller seien „das beste Investment, das ich je gemacht habe“, so H. Er hatte den Tank im vergangenen Jahr eigentlich nur zum Heizen gefüllt. „Damals war ich ein naiver Verbraucher. Heute bin ich Rohstoffinvestor.“ Seine Frau Petra (59) bezeichnet sich seitdem als „Mitbewohnerin eines Depots“.
Thermometer zeigt 14 Grad, Depot zeigt Rekord
Um seine Rendite nicht zu gefährden, hat H. die Heizungsanlage mit einem Fahrradschloss gesichert. Den Schlüssel trägt er an einer Kette um den Hals. In der Wohnung herrschen derzeit 14 Grad. „Das ist keine Kälte, das ist Disziplin“, erklärt H. „Die großen Investoren haben auch nicht bei jedem Frösteln verkauft.“ Welche Investoren genau, konnte H. auf Nachfrage nicht sagen.
Jeden Morgen steigt H. in den Keller, klopft an den Tank und notiert den Füllstand in einer Excel-Tabelle. Spalte C enthält den aktuellen Marktwert, Spalte D den „gefühlten Wert“, Spalte E die Anzahl der Pullover, die er gerade trägt. Laut Zelle E47 sind es aktuell fünf.
„Ich friere nicht. Ich halte.“
Diesen Satz hat H. inzwischen auf ein Schild an der Kellertür geschrieben. Darunter klebt ein selbstgedruckter Aufkleber: „Diamond Hands, Frozen Feet“.
Nachbarn gründen Heizöl-Fonds
Die Strategie macht in der Straße Schule. Drei Nachbarn haben ihre Tanks zum „Ostwestfälischen Heizöl-Kollektiv“ zusammengelegt und geben Anteile an Bekannte aus, verbrieft auf Bierdeckeln. Eine Nachbarin hat ihren Ölstand-Anzeiger fotografiert und verkauft das Bild als limitierten Kunstdruck. Ein vierter Nachbar heizt zwar weiter, schämt sich aber dafür und tut es nur noch nachts.
Das Institut für Angewandte Kellerökonomie (IfAK) in Bielefeld sieht in dem Phänomen einen Trend. „Wir beobachten eine neue Anlegergeneration, die ihre Rendite in Grad Celsius bezahlt“, sagt Institutsleiterin Dr. Annegret W. (54). Nach einer eigenen, nicht repräsentativen Erhebung unter zwölf Kellern rechnen Heizöl-Halter im Schnitt mit einer Jahresrendite von „mindestens 400 Prozent, eher mehr, wenn der Winter mitspielt“.
Die Expertin warnt allerdings vor einem Problem: „Viele haben noch nicht verstanden, dass man Heizöl nur verkaufen kann, wenn jemand es kaufen will. Und der einzige Abnehmer in der Nähe ist meistens der eigene Heizkessel.“
Exit-Strategie: der Februar
H. hat für diesen Fall vorgesorgt. Seine Exit-Strategie sieht vor, das Öl im Februar „zum Höchstkurs an sich selbst zu verkaufen“, also endlich die Heizung anzuschalten. „Dann realisiere ich den Gewinn in Form von Wärme“, erklärt er. „Das ist steuerfrei, ich habe extra nachgefragt. Also, ich habe meinen Schwager gefragt.“
Bis dahin will H. durchhalten. Einen Taschenrechner hat er sich bereits besorgt, und auch den Reich-Rechner hat er ausprobiert. Mit seinem echten Gehalt und einer langweiligen Rendite sagte ihm der Rechner ein Millionärsjahr voraus, das H. „unverschämt weit weg“ nannte. Den Artikel Zinseszins einfach erklärt hat er ausgedruckt, aber nicht gelesen. Er verbrennt ihn, wenn es zu kalt wird.
Seine Frau hat unterdessen eine eigene Anlagestrategie entwickelt. Sie verbringt die Tage bei ihrer Schwester in Lippstadt, deren Wohnung beheizt ist. „Rüdiger hat sein Vermögen im Keller“, sagt sie. „Ich hab meins im Wohnzimmer meiner Schwester. Und meins ist 22 Grad warm.“
H. bleibt gelassen. Er habe ausgerechnet, dass er bei gleichbleibender Preisentwicklung in elf Jahren Millionär sei, sofern er bis dahin nicht heize, nicht dusche und den Kühlschrank als Wohnraum nutze. „Reich wird man nicht durch Wärme“, sagt H. und zieht die Mütze tiefer. „Sondern durch Verzicht. Und ein bisschen durch Unterkühlung.“
🎭 Dieser Text ist Satire. Personen, Zitate und Zahlen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit echten Menschen wären Zufall, Ähnlichkeiten mit deinem Kontostand nicht.
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