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Zinseszins einfach erklärt: Formel, Beispiele und was Inflation und Steuern übrig lassen

19. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit · Redaktion Reich-Rechner

Zinseszins einfach erklärt: Du bekommst nicht nur Zinsen auf dein eingezahltes Geld, sondern auch auf die Zinsen, die schon dazugekommen sind. Dadurch wächst dein Vermögen jedes Jahr ein bisschen schneller als im Jahr davor. Aus 10.000 € werden bei 5 % Zinsen pro Jahr nach 30 Jahren rund 43.219 €, ohne dass du einen weiteren Euro einzahlst.

Klingt nach Zauberei, ist aber Mathematik aus der Mittelstufe. Der Haken ist nicht die Formel, sondern die Zeit. Der Zinseszins ist ein Marathonläufer, kein Sprinter. In den ersten Jahren passiert so wenig, dass die meisten aufgeben, bevor es spannend wird. Hier steht, wie er funktioniert, wie du ihn ausrechnest und was Inflation und Steuern davon übrig lassen.

Was ist der Zinseszins? Die Idee in einem Beispiel

Stell dir vor, du legst 10.000 € zu 5 % Zinsen pro Jahr an und lässt die Zinsen einfach liegen. Dann passiert Folgendes:

  • Nach Jahr 1: 10.000 € plus 500 € Zinsen ergibt 10.500 €.
  • Nach Jahr 2: 5 % auf 10.500 € sind 525 €. Du hast 11.025 €.
  • Nach Jahr 3: 5 % auf 11.025 € sind 551,25 €. Du hast 11.576,25 €.

Die zusätzlichen 25 € im zweiten Jahr sind der Zinseszins: Zinsen auf die 500 € Zinsen aus dem ersten Jahr. Das wirkt lächerlich klein. Aber der Betrag wächst jedes Jahr weiter, und irgendwann bringen die Zinsen auf die Zinsen mehr als die Zinsen auf dein ursprüngliches Geld.

Das Gegenstück heißt einfacher Zins. Dabei werden die Zinsen jedes Jahr ausgezahlt und nicht wieder angelegt. Du bekommst dann für immer 500 € im Jahr, egal wie lange du wartest. Der Unterschied ist am Anfang winzig und am Ende gewaltig.

Die Zinseszins-Formel einfach erklärt

Für alle, die es genau wissen wollen: Die Zinseszinsformel lautet

Endkapital = Startkapital × (1 + Zinssatz) hoch Anzahl der Jahre

Der Zinssatz wird dabei als Dezimalzahl eingesetzt, also 0,05 für 5 %. Für unser Beispiel heißt das: 10.000 € × 1,05 hoch 30. Das Ergebnis sind rund 43.219 €. Mit einem Taschenrechner, Excel oder unserem Rechner dauert das zwei Sekunden. Im Kopf eher länger.

Die Formel zeigt auch, warum drei Dinge über dein Ergebnis entscheiden:

  1. Das Startkapital: Es wird mit allem multipliziert. Doppelt so viel Geld ergibt doppelt so viel Endkapital.
  2. Der Zinssatz: Er steckt in der Klammer und wird mit sich selbst multipliziert. Kleine Unterschiede werden über die Jahre groß.
  3. Die Zeit: Sie steht im Exponenten. Das ist der stärkste Hebel von allen, und der einzige, den du nicht nachkaufen kannst.

Zinseszins Beispiel: 10.000 € über 10 bis 40 Jahre

Wie stark der Effekt mit der Zeit wird, zeigt der Vergleich mit dem einfachen Zins. Wir haben mit Python gerechnet: 10.000 € Startkapital, 5 % Zinsen pro Jahr, keine weiteren Einzahlungen, keine Kosten, keine Steuern.

JahreEinfacher ZinsMit ZinseszinsUnterschied
1015.000 €16.289 €1.289 €
2020.000 €26.533 €6.533 €
3025.000 €43.219 €18.219 €
4030.000 €70.400 €40.400 €

Nach zehn Jahren ist der Zinseszins ein nettes Extra. Nach 40 Jahren hat er mehr erwirtschaftet als die einfachen Zinsen und das Startkapital zusammen. Die Kurve ist am Anfang flach und wird dann steil. Genau deshalb fühlt sich Sparen in den ersten Jahren so sinnlos an und wirkt im Rückblick so genial.

Merksatz: Beim Zinseszins zählt nicht, wie schlau du anlegst, sondern wie früh du anfängst und wie lange du die Finger davon lässt.

Zinseszins mit Sparplan: 100 € im Monat

Die wenigsten haben 10.000 € übrig. Viel häufiger ist der Sparplan: jeden Monat ein fester Betrag. Auch hier wirkt der Zinseszins, nur auf jede einzelne Rate. Unsere Rechnung mit Python geht von 100 € pro Monat aus, eingezahlt jeweils am Monatsende. Die Rendite ist eine Annahme pro Jahr, ohne Kosten, Steuern und Inflation.

LaufzeitEingezahlt0 %3 %5 %7 %
10 Jahre12.000 €12.000 €13.945 €15.436 €17.105 €
20 Jahre24.000 €24.000 €32.685 €40.580 €50.754 €
30 Jahre36.000 €36.000 €57.871 €81.538 €116.945 €
40 Jahre48.000 €48.000 €91.719 €148.252 €247.154 €

Bei 7 % Rendite über 40 Jahre stammen von den 247.154 € nur 48.000 € aus deiner Tasche. Der Rest, also rund 199.000 €, sind Erträge und Erträge auf Erträge. Bei 3 % ist es deutlich weniger spektakulär, aber immer noch fast eine Verdopplung deiner Einzahlungen.

Wichtig: 7 % pro Jahr sind keine Garantie, sondern eine Annahme. Auf dem Tagesgeld bekommst du so etwas nicht, und an der Börse schwankt die Rendite von Jahr zu Jahr stark, auch ins Minus. Wie lange es mit höheren Sparraten bis zu einem großen Ziel dauert, zeigt unser Artikel Wie lange muss man für eine Million sparen?

Die 72er-Regel: Wann verdoppelt sich mein Geld?

Für den Zinseszins gibt es eine praktische Faustformel, die ohne Taschenrechner auskommt: Teile 72 durch den Zinssatz in Prozent. Das Ergebnis ist ungefähr die Zahl der Jahre, bis sich dein Geld verdoppelt. Wir haben die Faustformel mit der exakten Rechnung verglichen:

Zinssatz pro Jahr72er-RegelExakt gerechnet
2 %36 Jahre35,0 Jahre
3 %24 Jahre23,4 Jahre
5 %14,4 Jahre14,2 Jahre
7 %10,3 Jahre10,2 Jahre
10 %7,2 Jahre7,3 Jahre

Die Regel liegt im üblichen Bereich erstaunlich nah an der Wahrheit. Und sie funktioniert auch rückwärts: Wer dir verspricht, dein Geld in zwei Jahren zu verdoppeln, verspricht dir 36 % Rendite pro Jahr. Spätestens dann solltest du sehr genau hinsehen.

Monatlich oder jährlich verzinst: macht das einen Unterschied?

Banken schreiben Zinsen unterschiedlich oft gut: jährlich, vierteljährlich oder monatlich. Je öfter, desto früher verzinsen sich die Zinsen selbst. Wir haben gerechnet, was das bei 10.000 € und 5 % Zinsen über zehn Jahre ausmacht:

  • Jährliche Gutschrift: 16.289 €
  • Monatliche Gutschrift (5 % geteilt durch 12 pro Monat): 16.470 €

Der Unterschied von rund 181 € ist real, aber kein Grund, die Bank zu wechseln. Viel wichtiger ist die Höhe des Zinssatzes selbst und wie lange er gilt. Beim Vergleich von Angeboten hilft der effektive Jahreszins, weil er die Häufigkeit der Gutschrift schon einrechnet.

Was Inflation und Steuern vom Zinseszins übrig lassen

Bis hierhin war alles schön sauber gerechnet. In der Wirklichkeit knabbern zwei Dinge am Zinseszins: die Inflation und das Finanzamt.

Inflation: der Zinseszins in die falsche Richtung

Die Inflation wirkt genau wie der Zinseszins, nur gegen dich. Laut Statistischem Bundesamt (Mitteilung vom 13. Oktober 2026) lagen die Verbraucherpreise im September 2026 um 3,3 % über dem Vorjahresmonat. Wir haben als Gedankenspiel gerechnet, was passiert, wenn die Inflation 30 Jahre lang so hoch bliebe:

  • Ein Euro hätte nach 30 Jahren nur noch etwa 38 Cent Kaufkraft von heute.
  • Die 43.219 € aus unserem Beispiel wären in heutiger Kaufkraft nur rund 16.318 € wert.
  • Aus 5 % Zins würden real etwa 1,6 % pro Jahr.

Das ist eine Annahme, keine Prognose. Aber sie zeigt: Ein Zinssatz unter der Inflationsrate lässt dein Geld zwar auf dem Konto wachsen, im Supermarkt aber schrumpfen.

Steuern auf Zinsen und Erträge

Zinsen, Dividenden und Kursgewinne sind Kapitalerträge. Nach § 32d Einkommensteuergesetz beträgt die Abgeltungsteuer 25 %. Darauf kommen 5,5 % Solidaritätszuschlag nach dem Solidaritätszuschlaggesetz, zusammen also 26,375 %, gegebenenfalls plus Kirchensteuer. Nach § 20 Einkommensteuergesetz bleiben pro Jahr 1.000 € Kapitalerträge steuerfrei, bei zusammen veranlagten Paaren 2.000 €.

Wie stark die Steuer den Zinseszins bremst, zeigt eine vereinfachte Rechnung: 10.000 € zu 5 %, die Zinsen werden jedes Jahr voll versteuert, ohne Freibetrag. Nach 30 Jahren hast du dann rund 29.581 € statt 43.219 €. Der Freibetrag mildert das in der Praxis, bei kleinen Summen fällt oft gar keine Steuer an.

Genug Formeln? Gib deine Sparrate, Rendite und Laufzeit ein und schau, wann der Zinseszins dich zum Millionär macht. Oder eben nicht.

Jetzt nachrechnen

Reality-Check: Der Zinseszins macht niemanden über Nacht reich. Er macht geduldige Menschen über Jahrzehnte wohlhabender, als sie es mit Sparen allein geworden wären. Die bittere Pointe: Der größte Teil des Effekts passiert in den letzten Jahren. Wer mit 25 anfängt, profitiert vor allem mit 60. Wer wissen will, ab wann Erträge das Gehalt ersetzen könnten, findet die Rechnung in Passives Einkommen aufbauen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Zins und Zinseszins?

Beim einfachen Zins bekommst du nur Zinsen auf dein ursprünglich angelegtes Geld. Beim Zinseszins werden die Zinsen wieder angelegt und selbst verzinst. Dadurch wächst das Vermögen mit der Zeit immer schneller.

Wie berechnet man den Zinseszins?

Mit der Formel Endkapital = Startkapital × (1 + Zinssatz) hoch Anzahl der Jahre. Bei 10.000 € und 5 % über 30 Jahre rechnest du 10.000 × 1,05 hoch 30 und erhältst rund 43.219 €. Für Sparpläne mit monatlichen Raten ist ein Rechner deutlich bequemer.

Gibt es den Zinseszins auch bei ETFs?

Bei ETFs spricht man eher vom Zinseszinseffekt. Werden Dividenden wieder angelegt und wachsen Kurse über die Jahre, bauen Erträge auf früheren Erträgen auf. Anders als beim Sparbuch ist die Rendite aber nicht fest, sondern schwankt und kann auch negativ sein.

Ab wann lohnt sich der Zinseszins?

Spürbar wird er nach etwa zehn Jahren, richtig stark nach 20 bis 30 Jahren. Bei 5 % verdoppelt sich dein Geld laut 72er-Regel ungefähr alle 14 Jahre. Deshalb ist früh anfangen wichtiger als viel anlegen.

Frisst die Inflation den Zinseszins auf?

Teilweise. Entscheidend ist der Realzins, also der Zinssatz abzüglich Inflation. Liegt der Zinssatz unter der Inflationsrate, verliert dein Geld trotz Zinseszins an Kaufkraft.

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